Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Anja Lindner (Igelhilfe Wildau e.V.)
Der Landkreis Dahme-Spreewald hat in seiner Funktion als Untere Naturschutzbehörde ein Nachtfahrverbot für Mähroboter erlassen. Ziel der Allgemeinverfügung ist es, Igel besser vor schweren und häufig tödlichen Verletzungen zu schützen.
Link zur Pressemitteilung „Allgemeinverfügung zum Betrieb von Mährobotern vom Landkreis Dahme-Spreewald“ vom 19.06.2026: https://www.dahme-spreewald.de/de/aktuelles/igelschutz-im-landkreis-dahme-spreewald/153015. Siehe hierzu weiterführend im Amtsblatt für den Landkreis Dahme-Spreewald (Nr. 18, 33. Jahrgang), S. 69-72 unter „Allgemeinverfügung zum Verbot des Betriebs von Mährobotern in den Nacht- und Dämmerungszeiten im Gebiet des Landkreis Dahme-Spreewald“.
Hintergrund der Maßnahme ist der zunehmende Schutzbedarf für den Igel. Die Tiere stehen auf der Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Arten. Der Europäische Igel (Westigel Erinaceus europaeus Linné, 1758) gilt inzwischen – international gesehen – als potenziell vom Aussterben bedroht und steht seit Oktober 2024 auf der Roten Liste der IUCN.
Vgl. die internationale Studie The IUCN Red List of Threatened Species (2023), URL: https://www.iucnredlist.org/species/29650/213411773 (Stand: 29.07.2026).
Umso wichtiger ist es, unsere Gärten igelfreundlich zu gestalten und vermeidbare Gefahren zu reduzieren.
Vgl. die Vorwarnliste des Rote-Liste-Zentrum für gefährdete Arten innerhalb Deutschlands, hier im Besonderen Säugetiere, Erinaceus europaeus (Westigel), URL: https://www.rote-liste-zentrum.de/detailseite/?q=igel&species_organismGroup=S%C3%A4ugetiere&species_uuid=6b3c10a7-22bc-4270-929a-fc0c70d790a5&utm_source=chatgpt.com (Stand: 12.07.2026).
Das Verbot gilt täglich von einer halben Stunde vor Sonnenuntergang bis eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang des Folgetages. Maßgeblich sind die jeweiligen Dämmerungszeiten, die vom Deutschen Wetterdienst veröffentlicht werden. Außerhalb dieses Zeitraums können Mähroboter weiterhin wie gewohnt eingesetzt werden.
Viele Igelhilfen und Wildtierstationen empfehlen daher, Mähroboter – wenn sie überhaupt eingesetzt werden – ausschließlich zwischen 10:00 und 15:00 Uhr fahren zu lassen. In dieser Zeit befinden sich die meisten Igel in ihren Tagesverstecken und das Risiko schwerer Verletzungen ist am geringsten. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Mährobotern kann dazu beitragen, das Leben vieler Igel und anderer Wildtiere zu schützen.
Anders als viele andere Wildtiere flüchten Igel bei Gefahr nicht, sondern rollen sich zusammen. Gegenüber den geräuscharmen Mährobotern zeigen sie deshalb keinen Fluchtreflex und bleiben häufig regungslos liegen. Die Folge sind oftmals schwere Schnittverletzungen, die nicht selten tödlich enden.
Studien des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) zeigen, dass 47 Prozent der Igel mit Schnittverletzungen an den Folgen sterben. Damit endet nahezu jede zweite derartige Verletzung tödlich.
Vgl. das Forschungsprojekt „Angewandte Igenschutzforschung“ (IZW) von Dr. Anne Berger, URL: https://www.izw-berlin.de/de/angewandte-igelschutzforschung.html (Stand: 16.07.2026).
Fachleute aus Igelhilfen gehen zudem davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Opfer deutlich höher liegt. Viele verletzte oder tote Igel werden nie gefunden und erscheinen daher in keiner Statistik. Zudem lassen sich Verletzungen im Nachhinein nicht immer eindeutig einem Mähroboter zuordnen. Die Dunkelziffer dürfte daher erheblich über den offiziell erfassten Fällen liegen.
Der Tod der Tiere bleibt dabei häufig unbemerkt. Viele Igel ziehen sich nach einer Verletzung ins hohe Gras, unter Hecken oder in andere Verstecke zurück und verenden dort oft erst nach Stunden oder Tagen an ihren schweren Verletzungen.
Mit der Allgemeinverfügung setzt der Landkreis ein deutliches Zeichen für den Artenschutz. Naturschutzverbände sowie der Deutsche Städtetag sprechen sich inzwischen ebenfalls für bundesweit einheitliche Vorgaben zum Einsatz von Mährobotern aus, um Igel und andere nachtaktive Wildtiere besser zu schützen.
Jeder Garten kann einen Unterschied machen. Gemeinsam können wir dazu beitragen, dass der Igel auch für kommende Generationen erhalten bleibt.

Foto: © Anja Lindner / Igelhilfe Wildau e. V.