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Otto-Franke-Stadion

Vom Gemeindesportplatz zum »Otto-Franke-Stadion«
Mit der Ansiedelung der Berliner Maschinenbau-Actien-Gesellschaft vormals L. Schwartzkopff (BMAG) in Hoherlehme-Wildau und dem Aufbau der zum Werk gehörenden Arbeiter-Kolonie entwickelte sich auch das Vereinsleben im Ort. Für die zunehmende Zahl der sportbegeisterten Wildauer mussten deshalb entsprechende Sportanlagen geschaffen werden.

Seit der Gründung eines „Ortsausschusses für Leibesübungen“ im Jahr 1924 war die Gemeinde deshalb bestrebt, „im Interesse der Allgemeinheit“ einen neuen Sportplatz anzulegen.

Diese Investition bedeutete jedoch eine erhebliche Belastung für den Gemeindehaushalt. Die Hoffnung der Gemeinde, dass der Grundbesitzer und Bauunternehmer Emil Müller aus Rixdorf das Gelände für den Sportplatz in Hoherlehme kostenlos zur Verfügung stellen würde, erfüllte sich nicht. Wegen der hohen Kosten hätte die Gemeinde allein den Bau nicht realisieren können, doch letztendlich ermöglichten Beihilfen der Regierung in Potsdam sowie der Kreisverwaltung Teltow, das Projekt zu verwirklichen.

Am 02. Oktober 1926 wurde der neue »Gemeinde-Sportplatze« (jetziges »Otto-Franke-Stadion«) durch den Gemeindevorsteher Arthur Rosenbaum eingeweiht. Der Sportstätte fehlten allerdings noch »Unterkunftshallen und Ankleideräume«.

Im März 1929 fasste die Gemeindevertretung den Beschluss „ ... im Interesse der örtlichen Sportjugend auf dem Gelände des Gemeindesportplatzes ein Sporthaus mit zwei Seitenflügeln nebst Kassenhäuschen errichten zu lassen, zudem auch eine Radfahrer-Zementbahn.“

Bereits Mitte Oktober 1929 wurden ein (linker) Gebäudeteil sowie das Kassenhäuschen der Nutzung übergeben. Das Gebäude beinhaltete Umkleideräume sowie Gesellschaftsraum und Kantine. Der noch fehlende Seitenflügel sollte alsbald errichtet werden, blieb aber lange Zeit ein Wunschtraum.

Die Sportstätte war damals eine der modernsten der Gegend und wurde nachfolgend vielfältig genutzt.

Der folgende 2. Weltkrieg forderte auch unter den Wildauer Sportlern seinen Tribut. Organisierter Sport war mit zunehmender Kriegsdauer kaum mehr möglich. Der Gemeindesportplatz verwahrloste. Im Umfeld des Platzes wurden etliche (Kriegs-) Gefangenenlager errichtet, deren Insassen im BMAG-Werk und bei AEG eingesetzt waren.

Nach dem Krieg wurden die Räumlichkeiten auf dem Sportplatz anfänglich zur Unterrichtung Wildauer Schüler genutzt, da sich die »Rote Armee« in der Volksschule einquartiert hatte. Mit der Gründung der Sportgruppe (SG) Wildau nahmen die Sportler wieder von dem Gelände Besitz. Der aktiv am Wildauer Sportleben beteiligte Franz Heller, später erster Vorsitzender der BSG Motor Wildau, setzte sich für die Wiedereröffnung des Sporthauses ein. Gemeinsam mit seiner Frau betrieb er dann auch die Gaststätte und zog in die darüber liegende Wohnung. Heute erinnert ein Gedenkstein auf dem Sportplatzgelände an den 1961 verstorbenen Franz Heller.

Im Jahr 1953 wurde der Gemeindesportplatz vom Rat der Gemeinde Wildau dem VEB Schwermaschinenbau »Heinrich Rau« als neuem Rechtsträger übertragen. Nach umfangreichen Baumaßnahmen eröffneten die Wildauer Motor-Sportler das »Otto-Franke*-Stadion« am 01. Mai 1954 mit einem Stadionfest.

* Otto Franke (1877-1953) – Mitglied der SPD und der KPD, Mitbegründer des Spartakusbundes, Mitinitiator der Tagung des ZK der KPD im Sporthaus Ziegenhals, emigrierte später nach Prag und London, 1946 Rückkehr nach Deutschland, Mitglied der SED)

Konnten die Sportler der SG Wildau bis dahin diesen Platz ebenfalls nutzen, so brauchten sie jetzt ein neues Domizil. Es erfolgte notgedrungen der Umzug auf den von der Gemeinde notdürftig hergerichteten Sportplatz unmittelbar neben dem damaligen Rathaus in der Friedrich-Engels-Straße. Dieser Platz wurde 1992 von der Gemeinde stillgelegt und dient jetzt als Lagerfläche für Bauabfälle.

Alsbald zeigten sich die vorhandenen Räumlichkeiten des Stadions dem mit der Entwicklung der BSG zunehmenden Sport- und somit auch Besucherverkehr nicht mehr gewachsen. Abhilfe war dringlich erforderlich.

Mit Hilfe des Schwermaschinenbaus als Trägerbetrieb und des Einsatzes der BSG-Mitglieder wurde im Jahr 1969 die bereits seit 1929 vorgesehene rechtsseitige Erweiterung des Sporthauses fertig gestellt. Endlich stand eine angemessene gastronomische Einrichtung zur Verfügung. Die Bedingungen für den Vereinssport verbesserten sich ebenfalls, da in den Kellerräumen des Neubaus Umkleidemöglichkeiten geschaffen wurden.

Im Rahmen der politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland nach der Wiedervereinigung wurde das Stadion der Gemeinde übertragen. Es mussten etliche finanzielle Mittel investiert werden, um die Funktionsfähigkeit des Geländes für die Nutzer, zu denen nicht nur die Wildauer Sportler, sondern auch die Schulen, Kita`s und die Technische Hochschule Wildau gehören, zu erhalten. So wurde z. B. im Jahr 1994 die Zuschauertribüne rekonstruiert.

Im Jahr 1999 schloss die Gemeinde Wildau mit dem Fußballsportlern der SG Phönix Wildau einen Pachtvertrag über das Stadiongelände ab. Seither konnten weiter notwendige Instandsetzungsmaßnahmen durch Zuwendungen der Gemeinde, Fördermittel des Landkreises, Vereinsmittel und Arbeitsleistungen der Vereinsmitglieder realisiert werden. Aus heutiger Sicht ist es erforderlich, zukünftige Investitionen im Rahmen eines Gesamtkonzeptes »Sportstätten« zu planen. Dieses Konzept muss der aktuellen Nutzung und auch der perspektivischen Entwicklung in Wildau Rechnung tragen.