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Wirtschaftsstammtisch des Bürgermeisters der Stadt Wildau

11.11.2013 .... und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Dahme-Spreewald im Zentrum für Luft- und Raumfahrt III in Wildau
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Foto: Lützelberger
(v.li.): Antje Girschick, leitende Mitarbeiterin der BADC; Gerhard Janßen, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WfG) des Landkreises Dahme-Spreewald, Bürgermeister Dr. Uwe Malich und Heinz-Wilhelm Müller, Chef der Cottbusser Regionalstelle der Bundesagentur für Arbeit
Am 7. November trafen sich ca. 20 Unternehmer Wildaus, um verschiedene Schwerpunkte der weiteren Entwicklung des Standortes Wildau mit den geladenen Referenten zu diskutieren. In seiner Einführung verwies der Bürgermeister Dr. Uwe Malich zunächst auf das große Ereignis vom Vortag, die Wiederinbetriebnahme des Gegenschlaghammers der Wildauer Schmiedewerke nach seiner gründlichen Generalüberholung. Der Hammer steht seit 1974 in Wildau. Er ist einer der größten Europas. Und jetzt ist er der modernste. Die Wildauer Schmiede bearbeitet damit Teile, die buchstäblich weltweit im Einsatz sind. Der Wildauer Puls schlägt wieder.

Weiterhin orientierte der Bürgermeister die anwesenden Unternehmer in Bezug auf ihre Nachwuchssicherung auf eine enge Zusammenarbeit mit der Wildauer Ludwig-Witthöft-Oberschule. Den Schülern sollten schon frühzeitig die verschiedenen Möglichkeiten der Berufsausbildung in Wildau und Umgebung aufgezeigt werden. Z.B. am sog. Zukunftstag der Oberschule am 29.11.2013, auf dem sich auch Firmen präsentieren können. Schließlich verwies der Bürgermeister die anwesenden Unternehmer auf die verschiedenen Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit dem Wildorado hinsichtlich Gesundheitsprävention und Fitness ihrer Mitarbeiter. Davon ausgehend leitete der Bürgermeister zu dem Problemfeld „zukünftiger Fachkräftemangel“ über und gab Heinz-Wilhelm Müller, Chef der Cottbusser Regionalstelle der Bundesagentur für Arbeit, das Wort. Herr Müller bestätigte zunächst, dass sich auch in unserer Region in kleinen Schritten Jahr für Jahr zunehmend ein Fachkräftemangel abzeichnet. Das zeigt sich sowohl im Bereich der Nachwuchsgewinnung, vor allem im Handwerk, aber auch in Bezug auf die sog. „Hochkaräter“, also Spitzen-Fachkräfte. Der Fachkräftemangel wird in einigen Jahren deutlich zunehmen, ja sogar dramatische Aspekte annehmen. Und zwar dann, wenn der Großflughafen BER tatsächlich in Betrieb geht. Herr Müller erläuterte, dass die Bundesagentur für Arbeit und die drei Bürgermeister des Regionalen Wachstumskerns (RWK) „Schönefelder Kreuz“ das Fachkräfteproblem frühzeitig erkannt und entsprechend reagiert haben. Sie haben gemeinsam ein Netzwerk ins Leben gerufen, über das die unterschiedlichsten Institutionen und Einrichtungen versuchen und immer stärker versuchen werden, dem Fachkräftemangel über eine Vielzahl unterschiedlicher Ansätze entgegen zu wirken. Von der Ausbildungsunterstützung der Unternehmen bis hin zur Gewinnung ausländischer Spitzenkräfte in Wildau. Basis des Netzwerkes ist der Personalservice Schönefelder Kreuz der Bundesagentur (BA). Ab 2014 wird der Personalservice der BA auch Beratungsstunden in den drei Rathäusern der Kommunen des RWK „Schönefelder Kreuz“, also auch in Wildau, anbieten.
Vor allem die aktuellen Schwierigkeiten der Berufsausbildung wurden diskutiert. Die Betriebe müssen und wollen auch nicht ganz so gute Schulabsolventen in die Ausbildung aufnehmen. Aber das ist wegen oft größerer Wissens- und Motivationslücken der Schulabsolventen nicht einfach. Hier gibt es aber verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten. Darüber muss weiter informiert und diskutiert werden.

Als nächstes informierte Gerhard Janßen, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WfG) des Landkreises, über Stand und Perspektiven der Wirtschaft in unserem Landkreis. Herr Janßen konnte über einige sehr interessante Ansiedlungen informieren, die im kommenden Jahr im Landkreis und insbesondere auch in Wildau erfolgen werden. Der Landkreis ist weiter im Aufwind. Die WfG ist intensiv dabei und steht Unternehmern im Rahmen des Möglichen zur Seite. Intensiv und durchaus auch emotional wurde in diesem Zusammenhang über das Fördermittelthema diskutiert. Frau Bigalke von der Lasa Brandenburg benutzte zutreffend den Begriff vom Fördermittel-Dschungel. Das heißt, eine intensive Beschäftigung und Kommunikation zu den Fördermittelmöglichkeiten ist notwendig. Die neue Fördermittelperiode der EU ab 2014 wird hier besonders anspruchsvolle Aufgaben stellen. Es wird weniger Geld von der EU geben. Aber es wird Geld geben. Die Wege dazu müssen neu erkundet und begangen werden. Ein großes Zukunftsprojekt für Königs Wusterhausen, aber auch für Wildau wird die Entwicklung des Funkerberges sein. Die WfG ist hier ebenfalls sehr stark engagiert. Auch hier werden Fördermittel eingesetzt werden müssen.

Eine in der Region sehr wichtige Dienstleistungseinrichtung für Investitionen ist die Berlin-Brandenburg Area Development Company (BADC). Diese stellte deren leitende Mitarbeiterin Antje Girschick vor. Die BADC ist eine Gesellschaft, die schon eine sehr lange Vorgeschichte hinter sich hat. Ursprünglich hieß sie Flughafenumfeldentwicklungsgesellschaft. Ihr gehören gegenwärtig elf Brandenburgische Kommunen und die beiden Landkreise Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming an. Auch die Stadt Wildau ist Gesellschafterin der BADC. Der Schwerpunkt der BADC ist gegenwärtig die Unterstützung von Investoren/Unternehmen in der Region bei der Vorbereitung und Durchführung sog. Ausgleichsmaßnahmen. Also wenn durch eine Investition Eingriffe in die natürliche Umwelt erfolgen, muss ein Ausgleich geschaffen werden, am besten durch ökologische Ausgleichsmaßnahmen. Dies zu konzipieren und zu realisieren ist für einen gewerblichen Investor oft nicht einfach. Da hilft die BADC. Sie steht den Unternehmen auch für Beratungen an der Schnittstelle von Baurecht und Naturschutzrecht zur Seite. Die BADC kann auch zur Projektsteuerung für entsprechende Vorhaben gebucht werden. In den letzten Jahren hat die BADC viele Investitionen in der Flughafenregion unterstützt und ermöglicht. Ihre Bedeutung im Umfeld des Flughafens BER wird in den nächsten Jahren noch wachsen, wenn die Investitionstätigkeit in den nächsten Jahren weiter zunimmt.

Abschließend erläuterte der Bürgermeister der Stadt Wildau das neue Standort-Marketingkonzept des Regionalen Wachstumskerns „Schönefelder Kreuz“. Zunächst erklärte der Bürgermeister, dass die Region unseres Wachstumskerns zu den dynamischsten und attraktivsten in ganz Deutschland gehört. Bevölkerungsentwicklung, Arbeitsplatzentwicklung, Pendlerzuströme sind deutliche Indikatoren dafür. Dabei steht die Region erst am Anfang einer neuen Entwicklung. Der RWK „Schönefelder Kreuz“ hat hervorragende Standortbedingungen, das betrifft die Verkehrssituation, die Anbindung der Region über Straßen, Schiene, Luftverkehr und Binnenschifffahrt. Äußerst positiv ist auch die Nähe zur Hauptstadt Berlin. Andererseits liegt der RWK „Schönefelder Kreuz“ nahe an wald- und wasserreicher Natur und weiter Landschaft. Sein Highlight ist aber noch etwas anderes, etwas, über das heute gern geschmunzelt, gespöttelt und auch mit Häme geschrieben wird. Aber trotzdem: Der BER wird unsere Region zunehmend bestimmen. Er ist im Jargon der Marketingleute das Alleinstellungsmerkmal unserer Region. Einen solchen Flughafen hat kein anderer. Heute als Gegenstand von Spott und Satire, aber in einigen Jahren als reale Antriebskraft der Wirtschaft unserer Region. Man wird unsere Region international, weltweit kennen wegen unseres Flughafens BER. Deshalb wird sich unser Standortmarketing, vor allem das überregionale bzw. internationale, auf den Airport BER fokussieren. Ohne dass wir andere Stärken unserer Region wie die TH Wildau, das A10-Center Wildau, das Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Wildau vergessen. Aber der Hauptanker unserer weiteren wirtschaftlichen Entwicklung und unserer Wirkung nach außen wird der Flughafen BER sein. Wir können und müssen davon ausgehen, dass sich unsere Region in den kommenden 20 Jahren deutlich verändern wird. Sie wird weltoffen werden, sie wird wirtschaftsstark sein und sie wird sich sozial verändern. Es wird mehr Wohlstand, mehr Ausländer und auch neue schwierige Probleme bei uns geben. Damit ist nicht nur der Fluglärm gemeint. Aber Bange machen gilt nicht. Wir wollen und werden unsere Zukunft in unsere Hände nehmen und versuchen, die Vorteile zu maximieren und die auftretenden Probleme möglichst eng einzugrenzen. Es bleibt spannend, ist zu zurückhaltend formuliert. In den nächsten Jahren wird unser Entwicklungstempo weiter zunehmen. Wir brauchen festen Boden unter unseren Füßen und müssen weit nach vorne schauen. Die Unternehmen müssen und werden in dem Entwicklungsprozess der nächsten Jahren eine entscheidende Rolle spielen.

Dr. sc. Uwe Malich, Bürgermeister der Stadt Wildau