Tanz

Tanzte sich der Mensch zur Krone der Schöpfung?
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Foto: Debora Ruppert

Das Kulturradio vom rbb sendete am 17.02.2014 eine Diskussion zu diesem Thema und stellte dort die Behauptung auf: „Tanzen in jeglicher Form sei Gesundheitsfürsorge und Vorsorge in der ursprünglichsten Form.“ Der gleiche Tenor klang im Artikel der PM, Welt des Wissens, Heft 02/2014 mit, dem die Überschrift entnommen wurde. Was kommt da Neues – oder Altes auf uns zu?

Fakt ist: der Tanz ist etwas ganz Urmenschliches. Der Mensch, in Europa seit ca. 40 000 Jahren zu Hause, benutzte ihn, um zu kommunizieren. Brauchen wir ihn heute noch, bei allem technischen Fortschritt?

Der Linguist Wolfgang Steinig von der Universität Siegen stellte fest, dass vor ca. 4 Mill. Jahren der menschenartige Australopithecus in Afrika geschickt klettern und bereits auf zwei Beinen laufen konnte. Das Laufen auf zwei Beinen war auch „schick“ und erhöhte die Attraktivität der Individuen. Vom Stehen zum Tanzen war es nicht mehr weit, die Füße gaben den Takt, der menschliche Körper wurde als Percusssioninstrument benutzt. Aus freier Bewegung entstanden mit der Zeit ganze Choreografien. Die Sprache entwickelte sich nach dem gleichen Prinzip und ging aus dem Tanz hervor. Der Beweis für diesen Zusammenhang zeigt sich im menschlichen Gehirn, Sprache und Tanz werden in genau spiegelgleichen Arealen verarbeitet.

Bis vor wenigen Jahrhunderten waren Tänze (und sind sie es heute noch bei einigen Völkern) Quelle des Zusammenhalts und des sozialen Lebens. Zuschauer und Tänzer waren eins. Man entspannte sich und schöpfte Kraft. Der Tanz demonstrierte auch körperliche Fähigkeiten und war Ausdruck des eigenen Befindens und der Zugehörigkeit zu einer Gruppe.

Die moderne Gesellschaft hat heute für die meisten Tätigkeiten Spezialisten und Experten. So verstehen wir heute als Tanz nur die einstudierte, choreografierte, spezialisierte Bewegung zur Musik. Tänzer/-in ist ein Beruf.

Der wissenschaftlich, technische Fortschritt führte zwar einerseits zur Zivilisation, negierte aber andererseits die natürlichen, physiologischen Bedürfnisse des einzelnen Menschen. Resultat dieser Entwicklung ist der Vormarsch von psychischen Krankheiten. Nach einer Analyse der DAK-Gesundheit stiegen diese 2012 auf Platz 2 der Krankschreibungen. Das ist ein gravierendes Alarmzeichen für die Überforderung des einzelnen Menschen mit den Anforderungen der Leistungsgesellschaft.

Wer sich darauf einlässt weiß, Bewegen, um des Bewegens willens, sprich Tanz, ist das Mittel, um sich selbst wieder vom „Kopf auf die Füße zu stellen“. Mit dem Tanzen spüren wir den Boden unter den Füßen. Der Tanz weckt Hoffnung und setzt natürliche Kreativität frei, unabhängiger von Pflichten, Normen und Maschinen. Der Mensch erlebt sich als Ganzheit, als Einheit von Körper, Geist und Seele.

Dazu kommt, dass die bewegten Muskeln Botenstoffe ausschütten, die allesamt positiv auf den Stoffwechsel des Menschen einwirken. Die dänische Medizinerin Bente Klarlund Petersen, Reichshospital Kopenhagen, erforscht seit zehn Jahren diese Botenstoffe, die sie Myokine nannte. Die Wissenschaft kann heute beweisen, was als Allgemeingut verlorengegangen ist: Tanzen wirkt wie natürliches Doping, ist Prävention und Heilung zugleich.  

Ein wesentlicher monitärer und menschlicher Aspekt sei noch genannt: Wir hätten 87 % weniger Demenz, Alzheimer, degenerative Erkrankungen und Tumore, wenn Bewegung und Tanz zum gesellschaftlichen Alltag dazugehörten, ein gesteigertes Lebensgefühl und Freude am Leben inklusive.

(Quellen: PM, Welt des Wissens, Heft 02/2014, Heft 05/2014)

Karin Paul, Heilpraktikerin/Tanz- und Ausdruckstherapeutin
Tel.: 0171 3176385, www.egosano.de