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"Tag der Städtebauförderung" 2015 in Wildau - Sanierungsgebiet "Schwartzkopff-Siedlung"

11.05.2015 Ausgehend vom Gelände der Technischen Hochschule Wildau, die unmittelbar an das Sanierungsgebiet "Schwartzkopff-Siedlung" grenzt und am 9. Mai 2015 einen „Tag der offenen Tür“ veranstaltete, wurden fachlich begleitete Führungen durch die Siedlung und zu Standorten der Städtebauförderung angeboten.
Informationsstand Foto Helga Erbe.JPG
Treffpunkt war der Info-Stand der Stadt Wildau auf dem Hochschulcampus, wo sich zahlreiche interessierte Bürger und Hochschulangehörige über Wildau und auch die Aktivitäten der Städtebauförderung in der aufstrebenden dynamischen Wachstumskommune informierten.

Seit 2003 saniert die Stadt Wildau gemeinsam mit ihrer ‘Tochter‘ - der Wildauer Wohnungsbaugesellschaft mbH (WiWO) – die Schwartzkopff-Siedlung im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen“. Städtebaufördermittel sind für die Verbesserung der Wohn- und Arbeitssituation in der Siedlung, für die Aufwertung des Wohnumfeldes mit seiner Erholungs- und Freizeitfunktion, für den öffentlichen Raum, für die Erschließungsanlagen sowie auch für die Instandsetzung der Gebäudehüllen der Siedlungshäuser eingesetzt worden. Dabei hat die WiWO die Wohnungen nach modernsten Gesichtspunkten aus Eigenmitteln instand gesetzt. Heute leben in den hellen, hohen und geräumigen Wohnungen des Fördergebiets ca. 1.350 Einwohner in ca. 1000 Haushalten. Das Wohnumfeld ist in Anlehnung an das historische Vorbild hergerichtet worden. Grüne Oasen, die sich Anwohnern und Besuchern öffnen, ergänzen das Gesamtbild.

Die Siedlung entstand in den Jahren 1900 bis ca. 1925 und wurde als Wohngebiet für die Mitarbeiter des Lokomotivbauunternehmens Schwartzkopff errichtet. Dieses hatte ab 1897 seinen Produktionsstandort von Berlin nach Wildau verlagert und hier das Werk zur drittgrößten Lokomotivenfabrik Deutschlands ausgebaut. Die Gesamtanlage der Werkssiedlung ist davon durch die Trasse der Berlin-Görlitzer Bahn getrennt, aber in engem gestalterischem Bezug dazu errichtet worden. Glücklich-erweise waren kaum kriegsbedingte Schäden zu verzeichnen, so dass die Siedlung 1990 nahezu im Originalzustand erhalten war. Allerdings zeigte sie erhebliche Mängel in der Gebäudesubstanz wie auch in der öffentlichen Infrastruktur. Diese städtebaulichen Defizite wurden in “Vorbereitenden Untersuchungen“ 1992 erfasst, um die Schwartzkopff-Siedlung als Sanierungsgebiet festsetzen zu können. Mit dem Beschluss einer Denkmalbereichssatzung durch die Gemeindevertretung wurde 1993 ihrer kulturhistorischen Bedeutung Rechnung getragen und das Gesamtensemble unter Denkmalschutz gestellt. Wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse konnte die Satzung, womit die Schwartzkopff-Siedlung als förmlich festgelegtes Sanierungsgebiet der Gemeinde Wildau festgesetzt wurde, erst im Juni 2003 durch die Gemeindevertretung beschlossen werden. Im selben Jahr ermöglichte der entsprechende Bescheid vom Land Brandenburg den Einsatz erheblicher Fördermittel.

Eine der wichtigsten Aufgaben des Sanierungsverfahrens war es, die bauliche Substanz der Wohngebäude grundlegend zu verbessern, damit den Wohnstandort zu sichern und aufzuwerten und die denkmalpflegerische Bedeutung der Siedlung auch für spätere Generationen zu erhalten.

Diese Zielstellung verlangte eine enge Zusammenarbeit zwischen der Stadt Wildau, ihrer Wohnungsbaugesellschaft WiWO, die Eigentümerin eines Großteils der Gebäude ist, den Denkmalschutzbehörden und allen Beteiligten, die diesen Prozess voranbringen wollten.

Bis Ende 2015 werden rund 9 Mio. € öffentliche Fördermittel im Sanierungsgebiet „Schwartzkopff-Siedlung“ umgesetzt sein. Die Mittel werden zu gleichen Teilen von Bund, Land und der Stadt Wildau getragen.

Demnach engagiert sich Wildau mit ca. 3 Mio. € in der Schwartzkopff-Siedlung. Ein Großteil davon fand seine Verwendung für die Sanierung der Wohnhäuser der WiWO als auch für wichtige Maßnahmen zur Verbesserung der öffentlichen und zuletzt auch der touristischen Infrastruktur. So konnten damit z.B. die Sanierung des Altbautrakts der Kita „Am Markt“, der grundhafte Ausbau der Hinterlandstraße zwischen dem Stichkanal und der Schule, die Schaffung einer Zufahrt zum Wassersportclub, die Sanierung und teilweise Neuerrichtung der Richard-Sorge-Straße als Zufahrt der wichtigen Parkierungsanlage (Park & Ride-Platz) im Rahmen der Bahnhofsumfeld-Aufwertung, die Herrichtung und Neugestaltung des Marktplatzensembles sowie die grundhafte Erneuerung der Karl-Marx-Straße als Teil der Landesstraße L 401 und als wichtigste Erschließungsstraße und Magistrale inmitten der Siedlung realisiert werden. Diese bedeutendste Tiefbaumaßnahme umfasste auch die  Instandsetzung bzw. Neuanlage der Rad- und Gehwege sowie die Beleuchtung und die Regenentwässerungskanäle und wurde mit ca. 1 Mio. Euro an Städtebaumitteln unterstützt.

Den Abschluss des Sanierungsverfahrens bilden die noch auf Hochtouren laufenden Maßnahmen zur Hüllensanierung des Klubhaus an der Dahme durch die WiWO und den Ausbau der Anbindung und Erschließung dieses Standorts, der selbst wiederum mit Unterstützung durch Fördermittel der ILB (Investitionsbank des Landes Brandenburg) zu einem Wasserwanderliegeplatz ausgebaut wird und damit einen attraktiven touristischen Anziehungspunkt innerhalb des Sanierungsgebiets bildet.

Wilfried Kolb, Leiter der Bauverwaltung/Facility Management