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Professor Dr. Karl Döring

Dr. Karl Döring im Gespräch mit Bürgermeister Dr. Uwe Malich2.JPG
Foto: Katja Lützelberger

Wieder ein toller Gast zum Gespräch in Wildau
Am 1. Juni 2017 hatte der Bürgermeister von Wildau zu seiner 19. Veranstaltung aus der Reihe „Interessante Persönlichkeiten zu Gast in Wildau. Der Bürgermeister lädt ein“ den bekannten Stahlmanager und Sachbuchautor Professor Dr. Karl Döring in die „Villa am See“, das Klubhaus an der Dahme, eingeladen. Knapp 50 Gäste hatten sich eingefunden, um sowohl Biografisches von Prof. Döring, als auch von seinen reichen beruflichen Erfahrungen zu hören und mit ihm darüber zu diskutieren. Einige Schlagworte: Prof. Döring studierte von 1955 bis 1962 in Moskau. Dort promovierte er im Jahre 1967 in Ingenieurwissenschaften. 1973 folgte eine zweite Promotion in Wirtschaftswissenschaften an der Berliner Hochschule für Ökonomie. Prof. Döring war schon früh in mehreren Stahlwerken der DDR in führenden Positionen eingesetzt. Von 1979 bis 1985 war er stellvertretender Minister für Erzbergbau, Metallurgie und Kali. 1985 wurde er Generaldirektor des Eisenhüttenkombinates Ost in Eisenhüttenstadt. Prof. Döring war der einzige von 157 Generaldirektoren (Industriekombinate) der DDR, der das ihm anvertraute Unternehmen über die Wendezeit hinweg in die neuen marktwirtschaftlichen Bedingungen überführen konnte. Bis 1994 war er Vorstandsvorsitzender der EKO Stahl AG und dann bis 2000 Geschäftsführer Technik der EKO Stahl GmbH. Im Jahr 2000 wurde er Ehrenprofessor der Moskauer Hochschule, an der er studiert und promoviert hatte. Seit 2000 ist er bis heute als selbstständiger Berater mit vielen internationalen Kontakten in der Stahlbranche tätig. Unter anderem ist er Mitglied im Aufsichtsrat des gegenwärtig größten russischen Konzerns.
Ein erster Schwerpunkt der Diskussion war die Entstehung des neuen Stahlwerkes in Eisenhüttenstadt ab 1950 in der DDR – Ursachen, Herausforderungen, Erfolge und Grenzen. Diskutiert wurde weiterhin über den Stahl-Außenhandel der DDR in Richtung Ost und West. Auch hier gab es viele Erfolge, natürlich auch Probleme und Rückschläge und letztlich viele Kooperationsbeziehungen sowohl in Richtung Osten, als auch Westen (besonders Bundesrepublik Deutschland und Österreich).
Sachorientiert und sehr ernsthaft wurde über den Modernisierungsansatz in der DDR-Wirtschaft Ende der 60er Jahre und seinen Abbruch im Frühjahr 1971 diskutiert. Die damaligen Herausforderungen, neue Wege zu bestreiten, waren sehr groß. Eine knappe, konservative Mehrheit der SED-Führung verhinderte die geplanten Modernisierungsschritte. Auch der sowjetische Einfluss spielte dabei eine deutliche negative Rolle. Natürlich wurde auch diskutiert über Stärken und Schwächen der zentralen Steuerung der Wirtschaft und der Marktwirtschaft. An diesem Punkt waren sich der renommierte Gast und der heimische Bürgermeister nicht ganz einig. Andererseits gab es Übereinstimmungen in Bezug auf die Notwendigkeit und Wichtigkeit der wirtschaftlichen Stärke eines Betriebes und eines ganzen Landes, um auch in sozialer Hinsicht positive Entwicklungen zu erreichen. Schmunzeln konnten alle Gäste, als Prof. Döring über einen „Deal“ des EKO mit dem Wildauer Schwermaschinenbau berichtete. Dabei ging es um den Import einer westlichen Hochleistungs-Werkzeugmaschine nach Wildau. Das EKO konnte helfen. Und die Wildauer konnten sich mit ihren Unterstützungsleistungen gegenüber dem EKO revanchieren.
Mit Bedauern wurde das gegenwärtig schlechte Verhältnis zwischen Deutschland und Russland thematisiert. Beide Länder könnten wirtschaftlich und auch politisch mehr zusammenarbeiten. Russland hat daran noch Interesse. Deutschland müsste sich hier mehr bewegen und von vormundschaftlichen Einflussnahmen befreien. Deutschland könnte unter bestimmten Bedingungen (Neutralität!) auch dazu beitragen, das russisch-ukrainische Verhältnis zu entspannen. Schauen wir mal! Es gibt jedenfalls noch viel zu tun. Nach knapp zwei Stunden wurde der Gast aus Eisenhüttenstadt mit viel herzlichem Applaus verabschiedet.

Dr. sc. Uwe Malich