wildau.de »Startseite »Aktuelles »Meldungsübersicht »Offener Brief des Hauptausschusses der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Wildau

Offener Brief des Hauptausschusses der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Wildau

16.09.2013 Gegen eine militärische Ausweitung des syrischen Bürgerkrieges – für politische Lösungen auch zugespitzter Konflikte in der Welt von heute
Sehr geehrte Mitglieder des Deutschen Bundestages aller fünf Fraktionen des Bundestages,
sehr geehrte Exzellenzen Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika, Russlands und Syriens in der Bundesrepublik Deutschland,
sehr geehrte Damen und Herren,

Syrien ist schon seit längerer Zeit von einem sehr erbittert geführten und komplizierten Bürgerkrieg betroffen. Dieser Krieg wird von vielen Millionen Menschen in der Welt mit Sorge und Entsetzten beobachtet. In den letzten Wochen ist vermutlich sogar Giftgas in dem syrischen Bürgerkrieg eingesetzt worden. Das Töten in Syrien muss beendet werden.

Aber wie können die unterschiedlichen, relativ heterogenen syrischen Konfliktparteien zu einem Stopp des Krieges, zu ernsthaften Verhandlungen und zu dauerhaften politischen Lösungen gebracht werden?

Die Erfahrungen der Geschichte, auch unserer deutschen Geschichte, sprechen eindeutig gegen jede militärische Lösung von Konflikten. Krieg ist nie eine Lösung, er ist immer der Beginn von Problemen.

Im kommenden Jahr jährt sich der Beginn des Ersten Weltkrieges zum einhundertsten Mal. Dies muss uns alle ermahnen, mit allen Mitteln kriegerische Auseinandersetzungen zu verhindern. Aus einer kleinen Flamme kann ein Weltenbrand, ein Weltkrieg, mit Elend, Verderben und millionenfachem Tod entstehen. Lernen wir aus dieser Geschichte!

Ein nachhaltiger Erfolg in Bezug auf die Befriedung des syrischen Bürgerkrieges und in Bezug auf die Bestrafung der für den mutmaßlichen Giftgaseinsatz Verantwortlichen kann nach menschlichem Ermessen nur gelingen, wenn die Vereinten Nationen zusammen stehen. Den Vereinigten Staaten von Amerika und Russland kommt dabei eine herausragende Rolle zu, gemeinsam auf die syrischen Konfliktparteien in Richtung Kriegsbeendigung und Friedensschluss einzuwirken. Die Tür für politische Lösungen ist noch nicht zugeschlagen. Die Staatengemeinschaft muss dies nutzen.

Deutschland wird diesen Prozess nicht zuletzt vor dem Hintergrund seiner eigenen geschichtlichen Erfahrungen und auf der Grundlage seiner partnerschaftlichen Beziehungen zu den USA und zu Russland unterstützen. Nur gemeinsam können die Staaten der Internationalen Gemeinschaft den syrischen Krieg dauerhaft lösen.

Wir können und dürfen es uns nicht leisten, die Welt wie vor einhundert Jahren, wie 1913/14, buchstäblich an einen Abgrund zu führen. Eine Entwicklung, die relativ banal anfing, dann aber eine furchtbare Eigendynamik entwickelte. Das darf heute, 2013, in unser aller Interesse nicht wieder geschehen.

Auch die kleine Stadt Wildau südöstlich von Berlin will ihren erfolgreichen Weg fortsetzten. Dazu sind günstige, vor allem friedliche Rahmenbedingungen unerlässlich. Wir bitten die politisch Verantwortlichen vor allem der USA, Russlands und Syriens um ein Innehalten, um sachorientiertes Nachdenken und um ein Bemühen um politische Lösungen. Unsere deutsche Bundesregierung sollte diesen Prozess positiv begleiten.


Dr. sc. Uwe Malich
Bürgermeister und Vorsitzender des Hauptausschusses