wildau.de »Startseite »Aktuelles »Meldungsübersicht »Griechische Krise muss weg

Griechische Krise muss weg

05.03.2013 Am 28. Februar 2013 war der Konsul der Republik Griechenland, Herr Antonios Koliadis, zur Gesprächsrunde mit Bürgermeister Dr. Uwe Malich im Restaurant des Wildorado zu Gast.
P1040526.JPG
Dabei handelte es sich um die sechste Veranstaltung im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Persönlichkeiten zu Gast in Wildau. Der Bürgermeister lädt ein.“

Die aktuellen Probleme Griechenlands, die Staatsschulden - und Finanzkrise sowie die schwere Rezession des Landes, beschäftigen gegenwärtig viele Menschen, auch weit über Griechenland hinaus, auch in Deutschland. Insofern war es sehr spannend, von einem kompetenten Vertreter der Republik Griechenland Informationen über die Situation in Griechenland aus erster Hand zu bekommen. Der Bürgermeister der Gemeinde Wildau nahm deshalb Anfang des Jahres Kontakt mit der griechischen Botschaft auf, um einen informierten Gesprächspartner nach Wildau zu bekommen. Eigentlich wollte der Botschafter der Republik Griechenland, Herr Dimitris Rallis, selbst kommen, aber er musste kurzfristig einen Auslandstermin wahrnehmen. Deshalb entsandte er in seiner Vertretung den Konsul Antonios Koliadis. Und der Konsul konnte viel zu unserer Information und Aufklärung beitragen.

Der Bürgermeister begrüßte die ca. 50 geladenen Gäste, darunter auch der Landrat des Landkreises Dahme-Spreewald, Herr Stephan Loge. In seiner Einführung ging der Bürgermeister auf einige Grundprobleme der spannenden und sehr widersprüchlichen Geschichte Griechenlands ein. Unter anderem verwies er auf die Bedeutung des Königs Otto I. (griechischer König von 1832-1862), der aus einem deutschen bzw. genauer, einem bayerischen Herrschergeschlecht stammte. Otto I. war immerhin ein Verwaltungsfachmann und hatte für den griechischen Staat, für die Organisation des Staates, damals sehr viel erreicht. Schmunzelnd verwies der Bürgermeister aber auch auf Otto II., gemeint ist damit Otto Rehhagel, der von 2001 bis 2010 griechischer Nationaltrainer im Fußball war. 2004 wurde er mit seiner griechischen Mannschaft immerhin Europameister. Angesprochen wurde aber auch die deutsche Besetzung Griechenlands (in Zusammenarbeit mit Italien und Bulgarien) während des 2. Weltkrieges und der anschließende, sehr verbissen geführte griechische Bürgerkrieg von 1945 bis 1949.

Genannt wurde schließlich die relativ positive wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Republik Griechenland von 2002 bis 2007. Dann begann die schwere Krise, zu welcher der Konsul Antonios Koliadis diverse innere und äußere Ursachen erläuterte. Eine wesentliche Grundlage war die strukturelle Schwäche der griechischen Wirtschaft, das heißt, eine zu geringe industrielle und gewerbliche Produktion, eine zu starke Orientierung auf den Dienstleistungssektor, darunter das Banken- und Finanzsystem, der Tourismus, und – eine „griechische Spezialität“ – der öffentliche Dienst, der im Vergleich zu anderen Ländern weit überproportional personell besetzt war. Außerdem hatte es in den Jahren vor der Krise eine starke positive Lohnentwicklung gegeben, die aber von der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des Landes nicht gedeckt war. Der Ausweg war ein dramatischer Anstieg der öffentlichen Verschuldung, der Staatsschulden. Mit dem Ausbruch der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrisen 2008 wurden die von Griechenland im Ausland aufzunehmenden Kredite plötzlich sprunghaft teurer, was den griechischen Staatshaushalt überforderte. Diese Überforderung des Staatshaushaltes war auch deshalb so problematisch, weil die Einnahmegrundlage aus mehreren Gründen völlig unzureichend war. Die Wohlhabenden wurden nur unzureichend zur Steuerzahlung herangezogen, Steuerhinterziehung war eine Art „Volkssport“. Die sog. Schattenwirtschaft war in Griechenland extrem verbreitet, man schätzt, dass sie ca. 40 Prozent des Bruttoinlandproduktes ausmachte. Auch im Finanz- und Steuersystem war die Korruption weit verbreitet. Der Staat konnte also einnahmeseitig kaum auf die Verschlechterung der Kreditaufnahmemöglichkeiten reagieren. Da blieb nur die Ausgabeseite des Staatshaushaltes. Ein Thema, das auch in Deutschland viel diskutiert wurde. Mehrere einschneidende Sparpakete haben die soziale Lage vieler Griechen inzwischen extrem verschlechtert. Vor allem die Lage derjenigen, die ohnehin schon nur geringe Einkommen hatten. Die Verschlechterung der Kaufkraft großer Teile der griechischen Bevölkerung hat die Wirtschaftskrise, die Rezession des Landes, weiter verschärft. Der Konsul sprach mit Recht von einem „circulus vitiosus“ (ein fehlerhafter Kreislauf), der die griechische Wirtschaft regelrecht lähmt. Es wurde deutlich, sparen allein reicht nicht, um die schwere Krise zu überwinden. Griechenland muss auch tief greifende Reformen durchführen und es muss Wachstumsinvestitionen geben. Der Konsul erläuterte die ernsthaften Reformschritte, die Griechenland bisher gegangen ist. Er war optimistisch, dass Griechenland hier deutliche Schritte nach vorne machen konnte und noch machen wird. Problematischer ist die Belebung des Investitionsgeschehens. Hier muss die EU helfen. Auch deutsche Investoren sind gefragt, ernsthaft zu prüfen, ob sie sich in Griechenland engagieren wollen.

Im Weiteren wurde diskutiert, was wir, das heißt das Land Brandenburg, der Landkreis Dahme-Spreewald und vielleicht auch die Gemeinde Wildau, unternehmen können, um gewisse Beiträge zur Krisenüberwindung in Griechenland zu leisten. Das Land Brandenburg, das sich vor 20 Jahren selbst in einer schweren Krise befand, hat inzwischen bestimmte Stärken erreicht, die auch für Griechenland nützlich sein könnten, zum Beispiel die Erzeugung regenerativer Energien, auch im Bereich Brandschutz, insbesondere bei der Bekämpfung von Waldbränden. Positiv wirken könnten auch Partnerschaften auf kommunaler Ebene, zum Beispiel seitens des Landkreises, aber auch seitens einzelner Gemeinden oder Städte. Im Ergebnis der interessanten Gesprächsrunde mit dem griechischen Konsul werden viele Teilnehmer der Beratung sicherlich darüber nachdenken, ob entsprechende Möglichkeiten bestehen.

Offen wurde über das Verhältnis der normalen Bürger beider Länder, also Griechenland und Deutschland, zueinander gesprochen. Die Medien verbreiten diesbezüglich manche merkwürdigen und schlechten Nachrichten. Aber dem ist in der Regel nicht so. Die Griechen sind Deutschland gegenüber offen, genauso wie die Deutschen offen gegenüber Griechenland sind. Angesprochen wurde auch das historisch belastete Verhältnis zwischen Griechen und Türken, die vorhandenen Widersprüche und gegenseitigen Ansprüche im Bereich des Festlandsockels zwischen den Ägäischen Inseln Griechenlands und der türkischen Westküste. Der Konsul informierte, dass hier Gespräche zwischen Griechenland und der Türkei auf der Grundlage des internationalen Rechts stattfinden, um Schritt für Schritt die Probleme einer Lösung näher zu bringen. Das wäre auch wichtig, um den sehr hohen Verteidigungs- bzw. Rüstungshaushalt Griechenlands zu senken. Griechenland hat in den vergangen Jahren in großem Umfang Rüstungsgüter vor allem auch aus Deutschland bezogen. Das hilft aber nicht aus der Krise heraus. Hier muss umgesteuert werden.

Die Gesprächsrunde endete mit einem vorsichtig optimistischen Ausblick auf die nächsten Jahre. Auch Brandenburg und Griechenland sollten näher zusammenrücken. Die Brandenburger Erfahrung bei der Bewältigung der schweren Krise Ostdeutschlands von Ende der achtziger / Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts belegt indessen auch, dass die Überwindung derartig schwerer struktureller Krisen neue Wege und einen relativ langen Zeitraum braucht. Aber Bangemachen gilt nicht. Es soll und muss zur Überwindung der Krise kommen.

Dr. Uwe Malich, Bürgermeister und Katja Lützelberger, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit