Situation in Syrien

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Großer Informationsbedarf zur gegenwärtigen Situation in Syrien
Nahost-Korrespondentin konnte Vieles berichten
Am Donnerstag, dem 26. November 2015, fand an der Technischen Hochschule Wildau, Halle 14, großer Hörsaal, auf Einladung des Bürgermeisters der Stadt Wildau, Dr. sc. Uwe Malich, eine Informations- und Diskussionsveranstaltung zur aktuellen Situation in Syrien statt. Als Referentin und Diskussions-Partnerin war die freie Nahost-Korrespondentin Frau Karin Leukefeld eingeladen. Frau Leukefeld berichtet für zahlreiche Medien im deutschsprachigen Raum seit 15 Jahren aus dem Nahen und Mittleren Osten. Seit zehn Jahren arbeitet sie in Syrien. Sie hat genaue Kenntnisse über die nicht einfache Region um Syrien und den Irak. Eine Region, die gegenwärtig ein Schnittpunkt verschiedener globaler Auseinandersetzungen ist, politischer, ethnischer, religiöser und militärischer Auseinandersetzungen. Syrien ist von diesen Konflikten schwer getroffen. Deshalb sind Millionen Syrer auf der Flucht aus ihrem Heimatland. Diese äußerst negative Entwicklung traf Syrien ab dem Frühjahr 2011. Bis dahin war Syrien wirtschaftlich, teilweise auch politisch auf einem relativ guten Weg. Der syrische Staatspräsident Baschar al-Assad hatte nach seinem Machtantritt im Jahr 2000 einen Reformprozess angeschoben, der trotz vieler Probleme und Widerstände bis 2010 erste gute Ergebnisse gezeigt hatte, insbesondere auch auf wirtschaftlichem Gebiet durch sog. marktwirtschaftliche Reformen. Aber der Reform- und Öffnungsprozess hatte auch eine Reihe negative soziale Effekte, verstärkt noch durch eine längere Dürreperiode, die viele syrische Landwirte schwer belastet hatte.
Offenbar litt die konservative Landbevölkerung, mehrheitlich in Stämmen lebende sunnitische Muslime, besonders unter den sozialen Verwerfungen. Das führte zu einem erheblichen internen Konfliktpotenzial, das sich ab dem Frühjahr 2011 in verschiedenen Demonstrationen und sehr schnell auch gewaltsamen Auseinandersetzungen entlud. Als besonders schlimm erwies sich dabei, was die Nahostkorrespondentin sachkundig schildern konnte, das sich in dieser Situation verschiedene äußere Mächte massiv in die syrischen Angelegenheiten einmischten und den Konflikt noch anheizten, u.a. durch Waffenlieferungen. Saudi-Arabien, Katar, die Türkei, auch Jordanien, also große Nachbarländer Syriens mischten sich ihren egoistischen Interessen folgend in den syrischen Konflikt ein. In diesem Zusammenhang spielte leider auch der Westen, westliche Geheimdienste, eine weitgehend destruktive Rolle. Syrien geriet unvermittelt in eine schwere existenzielle Krise. Das war zugleich der ideale Nährboden für die Ausbildung des sog. Islamischen Staates, der seinen Ursprung eigentlich im Irak hatte, aber die syrische Krise sehr gut für sich nutzen konnte. Die gegenwärtige Krisensituation in Syrien scheint ausweglos zu sein. Die militärische Eskalation nimmt zu, ohne das damit eine Lösung näher kommen könnte. Deutlich gemacht wurde in dem Vortrag der Insiderin wie in der anschließenden Diskussion, dass eine politische Lösung unter Einbeziehung aller Beteiligten, außer die extremen Terroristen, angestrebt werden muss. Und das Völkerrecht und die UN-Charta müssen beachtet werden. Kriegerische Handlungen würden das Land und die ganze Region weiter in die Sackgasse führen. Verantwortlichkeit und Weitblick tun Not. Gleichzeitig wurde deutlich gemacht, dass auch wir in Deutschland den schwer leidgeprüften Syrern mit offenem Herzen und angesichts der dortigen Rahmenbedingungen hier auch mit offenen Augen und wachem Verstand entgegen treten sollten.
Deutschland muss Beiträge leisten in Bezug auf die Aufnahme von Flüchtlingen, in Bezug auf die Unterstützung von syrischen Flüchtlingen in den dortigen Nachbarländern, in Bezug auf die Sicherung der europäischen Außengrenzen und auch in Bezug auf die Konfliktentschärfung und -lösung in Syrien. Die mehr als 80 Teilnehmer der Veranstaltung bedankten sich mit herzlichem Applaus bei der Referentin, die in wenigen Tagen wieder in ihr schwer geprüftes gegenwärtiges Heimatland Syrien ausreisen wird. Für die Arbeit dort begleiten sie die guten Wünsche der Wildauer Veranstaltungsteilnehmer.

Dr. sc. Uwe Malich
Bürgermeister