Frau Erbe

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„Interessante Persönlichkeiten zu Gast in Wildau. Der Bürgermeister lädt ein.“

Am 15. Mai 2014 war die Medizinerin und Buchautorin Frau Dr. Angela Erbe als Gast des Bürgermeisters im Restaurant des Wildorado. Es ging an diesem Abend um die Männer. Frau Dr. Erbe hat zu dieser Thematik ein Buch geschrieben: „Der enträtselte Mann. Testosteron – Würze des Lebens“.
In seiner Einleitung begründete der Gastgeber, warum in den letzten Jahrzehnten weniger der Mann, sondern vor allem die Frau im Fokus der Sozialwissenschaften und der Sexualwissenschaften stand. Das hing mit der Veränderung (Stärkung) der Stellung der Frau in der Gesellschaft, zumindest in den europäischen und nordamerikanischen Gesellschaften, zusammen. Noch vor 100 Jahren war unsere Gesellschaft im wesentlichen patriarchalisch, also der Mann hatte das Sagen. Die Frau war seine Gehilfin. Das hat sich in den vergangenen 100 Jahren deutlich verändert. Die Frauen sind immer wichtiger geworden. Umgekehrt hat sich natürlich auch die Position der Männer entsprechend verändert. Das ist aus heutiger Sicht durchaus als Normalisierung zu bezeichnen. Aber es gibt auch einige nicht ganz einfache Abstiegsprozesse für die Männer. Das ist wieder ein Thema der Wissenschaft. Frau Dr. Erbe hat sich als Fach-Frau dieser Problematik sehr gründlich angenommen und hat versucht, den Mann mit seinen Stärken, seinen Schwächen und seinen Problemen zu enträtseln. Ein wichtiger Erkenntnis-Botenstoff dafür ist das Testosteron, ein Hormon, das für die Männer sehr wichtig ist. Die besondere Bedeutung des Testosterons ist entwicklungsgeschichtlich bedingt. Der Mann als Ernährer und Beschützer der Sippe und der frühen Familienformen stand seit mehreren 100.000 Jahren unter einem besonderen Druck. Seine Muskulatur musste stark und ausdauernd sein. Dazu war unter anderem Testosteron nötig. Deshalb ist der Testosteronspiegel der Männer viel höher als der der Frauen. Bestimmte Verhaltensweisen des Mannes sind von seinem Testosteronniveau abhängig. Das beginnt schon im Kleinkindalter. In dieser Zeitspanne ist der Testosteronspiegel der männlichen Kleinkinder sehr hoch. Sie sind deshalb auch meist deutlich wilder als die Mädchen im gleichen Alter und oft auch dominanter. Ein Testosteron-Hoch erlebt der Mann auch im Zuge der Pubertät und in den ersten Jahren danach. Auch in diesem Alter sind junge Männer meist wilder und weniger anpassungs- und bindungsfähig als Frauen, was sich in der Schule durchaus ungünstig auswirken kann, ebenso bei der späteren Suche nach einem Arbeitsplatz. Hier sind die jungen Mädchen im Vorteil. Soziale Abstiegsprozesse eines Teils der jungen Männer sind eher möglich als bei den gleichaltrigen Frauen. Das Testosteronniveau ist auch wichtig für die Fortpflanzungstätigkeit des Mannes. Im Verlaufe des Lebens sinkt beim Mann der Testosteronspiegel. Damit verändert sich auch sein Verhalten gegenüber den Frauen. Es wird zunehmend harmonie- und weniger bloß sexorientiert.
In der Diskussion wurden noch manche interessante Details zur Sprache gebracht. Unter anderem führt der Zungenkuss zwischen Mann und Frau zur Abgabe von Testosteron vom Mann an die Frau, was bestimmte Reaktionen der Frauen, die für die Fortpflanzung wichtig sind, begünstigt. Angesprochen wurde auch, dass Sport, vor allem Kraftsport, sich positiv auf das Testosteronniveau auswirkt. Gerade wenn der Mann etwas älter ist, nicht unwichtig. Diskutiert wurde auch, dass sich Männer und Frauen im Berufsleben durchaus auch unterschiedlich verhalten. Von mehreren Seiten wurde bestätigt, dass dennoch gemischte Teams im Beruf oft von Vorteil seien, weil die jeweiligen Stärken summiert und die jeweiligen Schwächen in gemischten Teams kompensiert werden können.
Es gibt zweifellos Unterschiede, auch Gegensätze zwischen Mann und Frau. Aber, bei aller Widersprüchlichkeit passen sie dennoch gut zusammen, sowohl in evolutionsbiologischer, als auch in sozialer Hinsicht, als auch auf familiärer Ebene. Wenn Männer und Frauen auch oft anders „ticken“, die Kommunikation zwischen Mann und Frau ist wichtig zur Klärung von Problemen. Allerdings unterscheidet sich das Kommunikationsverhalten von Männern und Frauen. Man sollte versuchen, sich dabei in den anderen hinein zu versetzen. Die Frauen sollten beachten, dass die Männer einen höheren Testosteronspiegel haben und stark lösungsorientiert diskutieren. Und die Männer müssen beachten, dass die Frauen sich bestimmte Probleme einfach nur mal „von der Seele“ quatschen wollen.
Es bleibt spannend zwischen Männern und Frauen. Männer und Frauen sollten es dennoch gemeinsam angehen, gemeinsam sind sie (im allgemeinen) viel stärker als bei dem Versuch als Einzelkämpfer. Frau Dr. Erbe wurde von den mehr als 50 Gästen mit viel Beifall verabschiedet.

Dr. Uwe Malich, Bürgermeister