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Der 26. April 2015 - ein besonderer Tag für Wildau

27.04.2015 Der Zweite Weltkrieg hatte auf dem Menschen, wo auch immer er ihn erlebte und erlitt, unerträglich gelastet. Frieden, nichts als Frieden, wünschten sich die Menschen auch in unserem Ort.
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Fotos: Dieter Okroy







Nachdem schon wochenlang das Näherrücken der Front zu vernehmen war, geriet am 25. April 1945 auch Wildau in das Kampfgeschehen.

Am 26. April schwiegen nun hier die Waffen.

Auf dem Platz vor dem damaligen Rathaus wurde den Soldaten der Roten Armee, die hier ihr Leben hatten lassen müssen, ein Ehrenmal errichtet. Alljährlich wird ihrer hier gedacht.

In diesem Jahr, zum 70. Jahrestag der Befreiung, hatten der Ortsverein der Partei Die Linke und der Bürgermeister Dr. Uwe Malich zu einer festlichen Veranstaltung geladen, zu der zahlreiche Bürger erschienen waren, darunter 20 Zeitzeugen. Besonders begrüßte  der Bürgermeister den ehemaligen Buchenwald-Häftling Günter Pappenheim - 1. Vizepräsident des Internationalen Buchenwaldkomitees, sowie Bruno Mahlow, der 1937 in sowjetischer Emigration geboren wurde.

„Heute ist ein wichtiger Tag, den Opfern zu gedenken“, sagte Dr. Malich bei der Begrüßung und gedachte aller, die im Kampf gegen den  Faschismus ihr Leben verloren haben. Der 2. Weltkrieg forderte insgesamt 55 Millionen Menschenleben, darunter allein 27 Millionen in der ehemaligen Sowjetunion-Russen, Ukrainer, Juden und viele andere. Der Bürgermeister ließ auch jenen „schweren Tag für Wildau“ nicht unerwähnt , den 8. März 1944, an dem  Luftangriffe  ihre Opfer gefordert hatten. Viel Beifall erklang, als Dr. Malich seine Rede mit den Worten schloss: „Es ist ganz leicht, einen Krieg zu beginnen, aber unendlich viel schwerer, ihn zu beenden“.

Als im Anschluss der „Birjusa“- Chor aus Königs Wusterhausen sang „Meinst Du die Russen wollen Krieg?“ wurde so manches Auge der Besucher feucht. Als dem Lied, in russisch gesungen, die „Katjuscha“ folgte, sangen viele das auch bei uns gut bekannte und beliebte Lied mit.

Die Gedenkrede des Tages hielt Bruno Mahlow, der, wie er ausführte, sich über jedes junge Gesicht im Publikum freute, „denn gehen wir nicht weiter, bleibt die Welt stehen, wie sie ist. Das darf nicht geschehen. Unsere Lehren aus der Geschichte: nicht mehr zuzulassen, dass wir in einen Krieg geworfen werden“. Er nahm Günter Pappenheims Zielsetzung auf: „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“. Bruno Mahlow gedachte in seiner emotionalen Rede auch der Mütter, in deren Herz jeder Schuss traf, der ihren Vater, Ehemann oder Sohn tötete, und er schloss mit der Erkenntnis, ,,dass die Rote Armee nicht nur die Sowjetunion gerettet hat, sondern die Menschlichkeit unter den Völkern“.

Der Attaché der Russischen Botschaft Maxim Chkhan nannte es „eine besondere Ehre, zu erleben, dass in dieser Stadt die Tradition fortgesetzt wird, jene zu ehren, die zu ihrer Befreiung durch Einsatz ihres Lebens beigetragen haben“.

Der Wildauer Bürger Waldemar Seiffert trug ergreifend Gedichte vor, u.a. „Schdi menja“ - „Wart auf mich“ von Konstantin Simonow und Auszüge aus Berthold Brechts Gedicht „An meine Landsleute“.

Nach der Kranzniederlegung schloss der „Birjusa“- Chor die beeindruckende Gedenkveranstaltung.

Am Veranstaltungsort wurden auch erste Ergebnisse des Schülerprojektes der Ludwig-Witthöft-Oberschule „Gespräche mit Zeitzeugen“ vorgestellt.

Als nachdenkenswertes Resümee dieses Erinnerungstages blieb die Mahnung an die große Politik, in Gesprächen zu streiten und nicht mit Waffen.

Besonderer  Dank gilt den Freunden der Partei DIE LINKE und der Wildauer Wohnungsbaugesellschaft (WiWO), die zur Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung beigetragen haben.

Elfriede Steyer, Zeitzeugin – Jahrgang 1925