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Thema Verkehrslärm und Lebensqualität

14.09.2012 Am 29. August fand im Volkshaus Wildau eine Bürgerinformationsveranstaltung zum Thema Verkehrslärm und Lebensqualität statt, in dessen Rahmen zwei Studien vorgestellt wurden.
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Zunächst begrüßte der Bürgermeister der Gemeinde Wildau, Dr. Uwe Malich, die Anwesenden, unter denen sich neben vielen Wildauer Bürgerinnen und Bürgern auch Ärzte, Vertreter von Bürgerinitiativen und Bewohner der Nachbarkommunen befanden.
Des Weiteren erläuterte der Bürgermeister, dass die Wachstumskommune Wildau, welche auch Teil des Regionalen Wachstumskerns „Schönefelder Kreuz“ ist, als Problem bzw. Folgewirkung der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung der Gemeinde von einer erhöhten Verkehrslärmbelastung betroffen sei, welche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Bewohner hat.
Es müssen generell Kompromisse zwischen der Wirtschaft und der Lebensqualität gefunden werden. Hier ist auch der Gesetzgeber gefordert. Die Schaffung einer guten gesetzlichen Grundlage wäre extrem wichtig.
Für die Politik ist die Wissenschaft notwendig, denn sie braucht die Forschung als Grundlage für die Festlegung der notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen, so z.B. in Bezug auf das Fluglärmgesetz. Aus den Ergebnissen können entsprechende Handlungsaufforderungen abgeleitet werden. Das will auch Dr. med. Daniel Rühmkorf vom Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, welcher ebenfalls bei der Veranstaltung anwesend war und sich auf die Studien freut, und darauf, die beiden leitenden Professoren kennenzulernen.
Professor Dr. Rainer Guski von der Ruhr Universität Bochum stellte die Lärmwirkungsstudie „NORAH“ („Noise-Related Annoyance, Cognition and Health“) vor. Zunächst schilderte er die Ausgangslage der Studie und ging auf offene Forschungsfragen ein, die im Rahmen der Studie untersucht werden sollen. Die Studie besteht aus drei Modulen:

1. Belästigung und Lebensqualität
2. Gesundheit
3. Entwicklung

Nähere Informatinen erhalten sie: Präsentation

Frau Prof. Dr. Maria Klatte von der TU Kaiserlautern untersucht in ihrem Teil der NORAH- Studie mögliche Auswirkungen von Fluglärm auf kognitive Leistungen und Lebensqualität bei Grundschulkindern. Frühere Studien aus anderen Ländern deuten darauf hin, dass sich eine hohe und langanhaltende Belastung durch Fluglärm ungünstig auf die geistige Entwicklung von Kindern auswirken kann. Man weiß aber noch nicht genau, unter welchen Belastungsbedingungen solche Wirkungen auftreten, und welche Entwicklungsbereiche betroffen sind. Ziel der in Brandenburg geplanten Studie ist es, fundierte Aussagen über Auswirkungen der Fluglärmbelastung auf Kinder im Umfeld des Flughafens BER zu ermöglichen und eine Informationsgrundlage für die Ableitung effizienter Gegenmaßnahmen zu schaffen.
Die Studie soll in mehreren Erhebungswellen mit Zweit- und Drittklässlern aus unterschiedlich fluglärmbelasteten Grundschulen durchgeführt werden. Die erste Erhebung (Vortest) erfolgt einige Monate vor Eröffnung des Flughafens. Prof. Klatte schilderte anschaulich den Inhalt und den Ablauf der Studie und .brachte interessante Beispiele dafür vor, wie den Kindern Lernaufgaben und Fragen gestellt werden. Auch Eltern und Lehrer der Kinder werden befragt. Die Elternfragebögen enthalten Fragen zum familiären Hintergrund, zu Gesundheit und Lebensqualität der Kinder und zur Lärmbelastung im Wohngebiet. In den Lehrerfragebögen geht es z.B. um die Auswirkungen des Lärms auf den Unterricht. Die Ergebnisse der Lernaufgaben und Befragungen werden zu den Flug-,Straßen- und Schienenlärmpegeln an den Schulstandorten und Wohnadressen der Kinder in Beziehung gesetzt.
Im Anschluss an die Referate hatten die Gäste die Gelegenheit Fragen zu stellen.
Kai Krüger, Vorsitzender des Vereins Gegenlärm, erläuterte zum Abschluss das BB-Modell, ein alternatives Flugroutenkonzept für den Flughafen BER, bei dem nur von einer Bahn gestartet und auf der anderen gelandet wird. Ca. 100.000 Menschen würden durch dieses Modell weniger belastet und es erfüllt die Vorgaben des Planfeststellungsbeschlusses. Zudem ist es leistungsfähig und auch bereits in London, Mallorca und Hong Kong erprobt.
Dr. Mittelstädt, Vorsitzender der Wildauer Gemeindevertretung, ruft dazu auf, auch dieses Modell zu betrachten. Im November 2011 sprach man sich in der Fluglärmkommission mit nur zwei Gegenstimmen und vier Enthaltungen dafür aus. Auch würde das Modell zu einer Kerosineinsparung führen.

Katja Lützelberger, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit