Analyse

Pilotprojekt 'Gesundheitsvorsorge in der Stadt Wildau' des HOLON e.V. Königs Wusterhausen im Auftrag der Stadtverwaltung Wildau –
„Ich glaub, alles, was ich tun möchte, könnte ich auch tun, wenn ich es wollte!“

Dieser Gedanke aus einem Interview der Studie des HOLON e.V. verdeutlicht ein Kernproblem der Gesundheitsvorsorge in Wildau, einer Stadt, die nach der Meinung der Befragten über eine sehr gute Präventionsinfrastruktur verfügt. So werden z.B. das Wildorado, das Gesundheitszentrum, die vielfältigen Sport- und Freizeitvereine sowie die Lage der Stadt an Wald und Wasser als gesundheitsfördernde Gegebenheiten häufig erwähnt. Auf der anderen Seite der Vorsorge stehen natürlich das Wissen und vor allem das Verhalten jedes Einzelnen hinsichtlich der Erhaltung seiner Gesundheit. Und dieses Thema wurde bei einer Beratung des Netzwerks „Gesund in Wildau und Umgebung“ sehr ausführlich diskutiert.
In 15 ausführlich geführten Tiefeninterviews wurde sichtbar, dass eine gute Infrastruktur, eine hohe Wertschätzung der eigenen Gesundheit bei den Bürgerinnen und Bürgern kein Garant für gesundheitsförderliches Handeln sein muss.
Viele wissen, dass Übergewicht, zu wenig oder falsche körperliche Bewegung, Stress, zu viel Alkohol und das Rauchen der Gesundheit abträglich sind. Oft ist auch bekannt, was zu tun wäre und wo man es realisieren kann, jedoch ist es nicht selten der „innere Schweinehund“, der entsprechendem Handeln entgegensteht. Einige Interviewpartner zeigten durchaus Reue, etwas in der Vergangenheit als richtig Erkanntes nicht umgesetzt, es auf die lange Bank geschoben oder gar verdrängt zu haben.
Im Gegensatz zu größeren Betrieben stellte sich als ein zweites Handlungsfeld die betriebliche Gesundheitsfürsorge in kleineren Unternehmen und bei Selbständigen heraus. Es wurde berichtet, dass oft die Zeit, die Möglichkeiten, aber auch der Wille fehlen, hier konkrete Abhilfe zu schaffen. Es liegt nahe, dieses Problem durch eine Vernetzung der betrieblichen mit den kommunalen Vorsorgebemühungen anzugehen. Entsprechende Angebote wurden von den Experten des Netzwerkes vorgestellt und diskutiert.
Aber die Gesundheitsvorsorge der Stadt Wildau darf sich nicht nur auf den arbeitenden Menschen konzentrieren. Eine Reihe von älteren Befragten machte darauf aufmerksam, dass die Vorsorge zwar möglichst schon bei Kindern und Jugendlichen ansetzen sollte, aber dass auch für eine immer älter werdende Stadtbevölkerung Bedingungen für ein gesundes und lebenswertes Altern vorgehalten werden sollten. Es scheint so, als ob die Bereitschaft der Älteren, für die Gesundheit wirklich etwas zu tun, größer ist, als in anderen Altersgruppen. Nicht selten wurde dabei auf ein langes bewegungs- und gesundheitsorientiertes Leben verwiesen. Wie gesagt, Wildau bietet für Alt und Jung ein überzeugendes präventives Angebot, das es nur zu nutzen gilt, "… wenn ich es wollte!"

Dr. Ralf-Dietmar Hegel und Dr. Martin Müller (HOLON e.V. Königs Wusterhausen)